Adelie- und Zügelpinguine

Tagebuch Antarktis

Tagebuch der internationalen Antarktis-Studentenexpedition im Rahmen des Internationen Polarjahres (2007/ 2008)
Der Weg in die Antarktis - Freitag, 04.01.2008 Inhalt einblenden
Internationales Polarjahr 2007-08 © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Unsere Anreise zur Antarktis-Forschungsstation Bellingshausen auf King George Island begann am Morgen des 24. Dezembers 2007. Hinter uns lag eine mehr als 6-monatige Vorbereitung, nicht nur die fachliche, sondern auch die Organisation der Polarkleidung und Geräte sowie der Transport des Expeditionsmaterials zum Schiff nach Bremerhaven. Die logistische Vorbereitung war schwieriger als geplant, da im (am 1.3.07 begonnenen) Internationalen Polarjahr (IPY) Tausende Wissenschaftler auf dem eisigen Kontinent arbeiten wollen und die Transportkapazitäten begrenzt sind.

Schwerpunkte der Antarktisexpedition werden (neben dem Kennenlernen der Geologie, Geomorphologie, Botanik und Zoologie der Fildes Halbinsel auf King George Island) die Erfassung der Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die antarktische Flora und Fauna sein, aber dazu später mehr Details.

Vom Frankfurter Flughafen aus flogen wir, d.h. Studenten aus Jena, Leipzig, Würzburg und  Tübingen, unter ihnen eine Kommilitonin aus Luxemburg, nach Santiago de Chile und von dort aus weiter über Buenos Aíres nach Ushuaia auf Feuerland, der südlichsten Stadt Lateinamerikas und Ausgangspunkt der meisten schiffsgestützten Expeditionen zur Antarktischen Halbinsel. Dort bestiegen wir unser Expeditionsschiff, das uns über die ungewöhnlich ruhige Drake Passage zu den Südshetlands brachte. Diese ruhige See ermöglichte uns, schon auf dem Schiff die wissenschaftlichen Arbeiten planmäßig zu beginnen, d.h. die Änderung der Artenspektrum der Seevögel mit zunehmender Annäherung an die Antarktische Konvergenz zu erfassen. Zu Beginn konnten wir u.a. Blutschnabel-Möwen und Schwarzbrauen-Albatrosse, auf der Drake Passage Wanderalbatrosse und Kapsturmvögel und zwischen den Antarktischen Inseln Raubmöwen und Antarktis-Seeschwalben beobachten.

Im Bereich der Antarktischen Halbinsel lernten wir verschiedene Inseln, u.a. Deception, Cuverville, Petermann, Paulet und Half Moon sowie Neko Harbour, Port Lockroy und Brown Bluff kennen. In diesen Tagen bekamen wir den ersten persönlichen Einblick in die einzigartige antarktische Natur. Wir sahen die antarktischen Adelie-, Zügel- und Esels-Pinguine in riesigen Kolonien, unter anderem auf Paulet Island mehr als 100 000 Adelie-Brutpaare. Des Weiteren konnten wir Finnwale, Buckelwale und Orcas sowie Weddell-Robben, Seeleoparden und Krabbenfresser beobachten. An Bord machten wir uns weiter mit unseren technischen Geräten vertraut, die wir die nächsten Wochen nutzen werden. Neujahr begrüßten wir zwischen Eisbergen in der Paradies Bucht im antarktischen Sommerlicht.

Am 4.Januar setzten wir auf offener See mit Zodiaks zu einem anderen Expeditionsschiff über, auf dem wir unseren Expeditionsleiter Dr. Hans-Ulrich Peter trafen. Nach wenigen Stunden erreichten wir unser Expeditionsziel, die russische Forschungsstation Bellingshausen auf King George Island, wo wir am Strand schon erwartet wurden. An diesem Abend wurden wir von den Stationsbewohnern mit einer Begrüßungsfeier in den Stationsalltag aufgenommen, nachdem Maude die Fahne Luxemburgs gehisst hatte. Die deutsche Fahne wehte schon neben der russischen, da Matthias Kopp, Doktorand aus Jena, schon mehrere Wochen in der Station arbeitet.

Der erste Arbeitstag - Samstag 05.01.2008 Inhalt einblenden
Russische Antarktisstation Bellingshausen © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Unser erster Arbeitstag auf King George Island! Morgens verließen wir unser gemütliches "Berghotel" auf der Anhöhe östlich der russisch-orthodoxen Kirche St. Trinity, Domizil für die internationale Studentengruppe in den folgenden 3 Wochen. Dieses Stationsgebäude ist, wie die meisten Häuser, auf Stelzen gebaut, als Schutz vor dem Winterschnee.

Der Plan für den heutigen Tag war, uns mit dem Nördlichen Hochland der Fildes Peninsula vertraut zu machen, sowie in diesem Gebiet die Skua- und Seeschwalben-Nester unter Zuhilfenahme von GPS-Geräten zu kartieren. Richtung Osten machten wir uns auf, die ersten Höhenmeter zu besteigen. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns, der Wind blies nur mäßig, und auch die Sonne kam zu unserer Freude ab und zu zum Vorschein. Ein Stück östlich der Station Bellingshausen konnten wir einen guten Überblick über die Bucht, in der Bellingshausen sowie die Inseln Ardley, Albatros und Sputnik liegen, gewinnen. Vor uns befand sich das Treibstofflager der Station Bellingshausen.

Im Unterschied zu den Vorjahren ist noch ungewöhnlich viel Schnee vorhanden. Wir querten teilweise metertiefe Schneefelder, die bis Mittag oberflächlich gefroren waren. Alexey Shmarin, der Leiter der Station Bellingshausen, hatte uns erzählt, dass der Winter der kälteste und schneereichste der letzten 20 Jahre war und sich die niedrigen Temperaturen auch im Sommer fortsetzten.

Die Kartierung der Skua-Nester erfolgte durch systematisches Ablaufen des Geländes. Bei besetzten Nestern wurden die Eier vermessen und gewogen. Einige Paare hatten ihre Brut möglicherweise im Zusammenhang mit der kalten Witterung jedoch bereits verloren; sie verteidigten ihre Territorien kaum noch.

Während unserer Nestersuche lernten wir auch die dürftige Vegetation kennen, vor allem Flechten, Moose und an Vogelnestern auch die Grünalge Prasiola crispa.

Nach unserer Rückkehr am späten Nachmittag setzten wir uns zusammen, um die eingemessenen GPS-Daten auszulesen und am Computer zu bearbeiten. Ermüdet von der langen anstrengenden Tour fielen wir dann nach dem Abendessen ins Bett.

Sonntagsfrühstück - Sonntag 06.01.2008 Inhalt einblenden
Krabbenfresser © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Sonntags gibt es in Bellingshausen zum Frühstück Spiegeleier, und das schon seit Jahrzehnten, wie wir hörten, diesmal sogar mit Würstchen.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf, einen neuen Teil der Halbinsel zu erkunden. Wir passierten das Gelände des chilenischen Flugplatzes und setzten unsere Tour in Richtung Drake-Küste fort. Südliche Riesensturmvögel, unter ihnen eine weißer, nutzen die Aufwinde an der Küste aus, um nach Aas Ausschau zu halten. Am Strand der Elefanten-Bucht beobachteten wir die ersten See-Elefanten, die grßten Robben der Welt, und Weddellrobben.

Das Wetter wechselte zwischen Sonnenschein und Schneeschauern. Weiter ging unsere Erkundungstour in Richtung Flat Top, einem gewaltigen Felsklotz vor der Küste, um die man öfter Russalbatrosse fliegen sehen kann. Auf dem Weg dorthin fanden wir auf einem Felsen hunderte Napfschnecken-Schalen. Die dort nistenden Dominikanermöwen ernähren sich von dieser Molluskenart. Die GPS-gestützte Erfassung der Möwenbrutplätze gehört, wie auch die der an Kliffs brütenden Kapsturmvögel, zu unseren Aufgaben, um Bestandesveränderungen im Vergleich zu den Vorjahren feststellen zu können.

An der Küste lernten wir auch zwei weitere neue Robbenarten kennen, den Krabbenfresser und den Antarktischen Seebär.

Sonntag ist auch Bania-Tag, d.h. für uns waren am Nachmittag und Abend Zeiten in der Sauna reserviert. Das gehört in allen russischen Polarstationen zu einer festen Tradition, in die wir eingeweiht wurden. Für uns ungewöhnlich die Temperatur: 110-120 Grad Celsius! In einem mit Wasser gefüllten Außen-Becken (dagegen nur 4 Grad) konnten wir uns zwischen den Sauna-Gängen abkühlen. Nach diesem wohltuenden Saunabesuch wurde der Tag mit der Herstellung von Müsliriegeln abgeschlossen, die uns für künftige Touren als Mittagsmahlzeit Kraft liefern sollen.

Bellingshausen, King George Island, Antarctica - Montag, 07.01.2008 Inhalt einblenden
Russische Kirche in der Antarktis © Polar- und Ornitho-Ökologie

Der 07. Januar ist auch in der Antarktis ein besonderer Tag, es wird Roshdjestwo gefeiert, das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest.

Eingeläutet wurde dieser Festtag mit einem ökomenischen Gottesdienst in der Stationskirche St. Trinity. Die beiden Priester Sergej und Wladimir, die beide auch im Winter das religiöse Leben auf Bellingshausen gestalteten, hielten einen eineinhalbstündigen Gottesdienst ab. Henrike, eine unserer Expeditionsteilnehmerinnen, übernahm dabei einen Teil der Liturgien auf Deutsch.

Und dennoch wurde auch an diesem Feiertag die Arbeit nicht beiseite gelegt. Da das Wetter ungewöhnlich gut war, nutzten wir zusammen mit unseren russischen Kollegen die Chance, bei ruhiger See mit dem russischen Landungsboot "Anderma" die Maxwell Bucht zu erkunden. In nordöstlicher Richtung fuhren wir die Küste entlang und konnten King George Island einmal aus anderer Perspektive betrachten. Vorbei an "Neftebasa", dem ursprünglichen Treibstofflager von Bellingshausen und weiter in Richtung "Artigas", der uruguayanischen Forschungsstation.

"Nebles Point", eine markante Felsformation, die sich südlich von Artigas ins Meer vorstreckt, wurde angesteuert, um an einer vorgelagerten Felseninsel zu ankern. "Nebles Point beherbergte früher eine große Brutkolonie Südlicher Riesensturmvögel. Wegen starker Störung durch Flugverkehr wanderten die Brutvögel allerdings ab.

Der Ausflug aufs Meer gab uns die Möglichkeit, die Fisch-Fauna des Südpolarmeeres zu erkunden. Zwei Arten Südbarsche (Nothothenia) gibt es in diesem Gebiet in großer Zahl.

Der Rückweg führte uns rund um Ardley Island, vorbei am chinesischen Stationsversorger Xue Long und wir erreichten am Nachmittag wieder die Station Bellingshausen. Am Horizont kündigten Cirruswolken das Ende des guten Wetters für die nächsten Tage an. Am Nachmittag war jedoch noch strahlender Sonnenschein und so führte uns die Kartierung der Skuas auf einen Höhenzug südlich der Stationsbucht. Normalerweise war dieser Höhenzuh mit zahlreichen Skua-Brutpaaren besiedelt. Wir fanden jedoch nur zwei Brutpaare. Die noch aus dem kalten Winter verbliebenen teilweise jetzt noch vorhanden großen Schneemengen könnten der Grund sein, weshalb die Skuas nicht mit dem Brutgeschäft an dieser Stelle beginnen konnten. Skuas sowie die meisten anderen antarktischen Brutvögel benötigen schneefreie Flächen zum Bau ihrer Nester. Anders als sonst gab es an diesem Abend ein festliches Weihnachtsmahl zusammen mit allen Stationsbewohnern von Bellingshausen.

„Sturm“, King George Island, Antarctica - Dienstag, 08.01.2008 Inhalt einblenden
Antarktis-Seeschwalbe © Polar- und Ornitho-Ökologie

Seit gestern Nacht tobte ein Sturm über der Insel. Obwohl wir uns noch nördlich des Polarkreises befinden, sind Minusgrade und Schneestürme im Sommer, wie wir sie heute erleben, nicht selten. Der Schnee wird uns schmerzhaft ins Gesicht geblasen, an einen längeren Hike, um zu kartieren, ist nicht zu denken.

Am Nachmittag ließ der Wind ein wenig nach und wir machten uns, gut eingepackt, auf den Weg, die Küste der Ardley Bay zu erkunden. Am Strand entlang ging es Richtung Neftebasa. Eine Gruppe von Küstenseeschwalben (14 Individuen) saß zusammengekauert an der Wasserkante und trotzte dem starken Wind. Diese arktischen Brutvögel sind Rekordhalter unter den Zugvögeln, wenn sie auf über 20.000 Kilometern vom arktischen in den antarktischen Sommer fliegen. Sie ähneln den Antarktisseeschwalben, die wir regelmäßig auf unseren Touren zu Gesicht bekommen.

Auf einem kleinen Hochplateau nicht weit von der Küste entfernt, fand Udo, unser Geologe, das erste Fossil, ein etwa fünf Zentimeter großes versteinertes Stück Holz. Es hatte sich also mehr als gelohnt, trotz extremen Wetter die Station zu verlassen, auch wenn der langsam auftauende Permafrost in den schneefreien Gebieten trotz Gummistiefel ein Vorankommen erschwert.

Der zunehmende Sturm zwang uns zur Rückkehr und so blieb uns nur die übliche Schreibtischarbeit, d.h. Daten zu digitalisieren und Tagebuch zu schreiben.

„Sturm über dem Berg-Hotel“, King George Island, Antarctica - Mittwoch, 09.01.2008 Inhalt einblenden

Noch immer tobte der Sturm. Den Vormittag verbrachten wir mit Stationsarbeiten, Küchendienst, Wäsche waschen und die Ausrüstung auf den Vordermann bringen, außerdem mit dem Auswerten von Karten.
Zwei Karten dürften auch unsere Leser interessieren, wenn sie sich eine Vorstellung über die Lage unseres Untersuchungsgebietes, der Fildes Halbinsel als ein Teil von King George Island, machen wollen.

Der Mittwochnachmittag ist Sporttag in Bellingshausen, bei diesem Wetter es eine günstige Möglichkeit, mit den russischen und uruguayischen Stationsmitgliedern in der Sporthalle der chilenischen Station Frei etwas gegen das Einrosten zu tun.

Es war nicht einfach, beim Volleyball den russischen und uruguayischen "Profis" die Stirn zu bieten, die den ganzen Winter über trainiert hatten.

Erschöpft vom Sport fielen wir abends ins Bett mit der Hoffnung auf besseres Wetter.

„Drake Küste“, King George Island, Antarctica - Donnerstag, 10.01.2008 Inhalt einblenden
Kapsturmvogel © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Gleich nach dem Frühstück brachen wir zu unserer Tagestour in den nordöstlichen Teil der Fildes-Halbinsel auf. Das Wetter war gut zum Laufen, kaum Wind und keine Niederschläge.

Zuerst benutzten wir den Weg nach Artigas, der Station von Uruguay. Von dort aus überquerten wir die Halbinsel parallel zum Collins-Gletscher in Richtung Drake Passage. Unterwegs kartierten wir mehrere brütende Skuas. Mit dem Fernglas wurden die Ringnummern abzulesen, die uns Rückschlüsse auf das Beringungsdatum und damit auf die Lebensgeschichte der Vögel geben. Einige Tiere waren schon so alt wie wir Expeditionsteilnehmer, d.h. fast 25 Jahre. Skuas können ein Alter von mehr als 30 Jahren erreichen.

In der Nähe des Gletschers erregten kleine Hügel mit plattigen Steinen unsere Aufmerksamkeit. Wir suchten nach Fossilien, die dort durch das Zurückweichen des Eises zutage kommen. Der Erfolg blieb leider aus, dafür fanden wir Milben zwischen den Steinen und eine der beiden Mückenarten in der Antarktis, Parachlus steineni.
Durch riesige Schneefelder kämpften wir uns zum Meer in die Klotz-Bucht. Dort stiegen wir erst einmal in Richtung Gletscher auf, um aus sicherer Distanz brütende Riesensturmvögel auf den umliegenden Felsen zu kartieren und zu zählen. Wir mussten uns sehr vorsichtig bewegen, da diese Vögel sehr empfindlich gegenüber Störungen sind. In der Nähe brütende Skuas können sonst die kurzzeitig verlassenen Nester ausrauben und die Eier und Küken fressen. Die Zahl der Nester entsprach der der Vorjahre.

Unterhalb dieser Felsen liegt die russische Schutzhütte Priroda, bei der wir eine Mittagspause einlegten und den mitgebrachten Schinkenspeck und das frische Brot schmecken ließen. In der Nähe fanden wir zwei wenige Wochen alte Seebren, die von ihren Müttern schon entwöhnt waren und nun alleine zurechtkommen müssen. Aber sie sahen gut genährt aus und haben gute Chancen, zu überleben. Sie waren aber auch noch sehr verspielt und ließen sich von unserer Anwesenheit nicht stören, sondern schienen eher neugierig. Nach diesem Seebären-Fototermin liefen wir entlang der Drake-Küste Richtung Südwesten. Unterwegs kartierten wir brütende Kapsturmvögeln und Möwen. Weddellrobben und See-Elefanten lagen am Strand. Bei letzteren konnte man den Fellwechsel, der gerade stattfindet, sehr gut erkennen.

Nach 8 Stunden Fußmarsch kamen wir alle erschöpft, aber sehr zufrieden wieder in Bellingshausen an. Nach einem ausgiebigen Abendbrot besuchten wir noch einen guten chilenischen Freund, Alejo Contreras, der als erfahrener Bergsteiger und "Antarktisbewohner" schon seit über 20 Jahren auf dem weißen Kontinent arbeitet. Er erzählte uns unglaubliche, aber auch spannende Geschichten über seine Antarktiserfahrungen, u.a. seine Skitour zum Südpol.

Pinguinzählung und Wetterdaten - Freitag, 11.01.2008 Inhalt einblenden
Erfassung der Pinguin Brutpaare © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Dicker Nebel und strömender Regen verhinderten erst einmal die geplanten Feldarbeiten.

Wir besuchten deshalb zwei russische Wissenschaftler, die in der Station überwintert haben, informierten uns über ihre Arbeit und erbaten Daten, um die unterschiedlichen Untersuchungsjahre zu vergleichen.

Alexander ist für den Empfang und die Auswahl von Satellitenfotos der Antarktischen Halbinsel und der Weddellsee verantwortlich. Die besten Bilder werden per email nach St. Petersburg geschickt und dort zur Erstellung von Eiskarten herangezogen. Außerdem werden im Rahmen eines Monitorprogramms regelmäßige hydrologische Datenaufnahmen gemacht, d.h. Wassertemperatur und Salzgehalt gemessen. So konnte er feststellen, dass die Wassertemperatur im Jahr 2007 im Durchschnitt 1 Grad niedriger als im Vorjahr war und die winterliche Meereisausdehnung das Maximum der letzten 40 Jahre darstellte. Der außergewöhnlich kalte Sommer ist die Nachwirkung dieser Erscheinung. Außerdem werden Gezeitenmessungen durchgeführt. Für uns Biologen war besonders interessant, dass im Rahmen des Monitorprogramms auch auffällige Durchzugsereignisse der Vögel, die häufig auch von der Eis- und Wettersituation abhängen, registriert werden.

Eine weitere wichtige Person ist der Meteorologe Viktor. Auch wenn jede Minute Lufttemperatur, Temperatur der Bodenoberfläche, Luftfeuchte, Richtung und Geschwindigkeit des Windes, Windspitzen und Luftdruck und weitere Daten automatisch gemessen werden, registriert er selbst u.a. die Menge und Art des Niederschlages, die Höhe und Deckung der Bewölkung, die Wolkenart, die Sonneneinstrahlung, die Sichtbarkeit und besondere Wettererscheinungen. Viermal am Tag schickt er seine aufgenommenen Daten ins Zentrum nach St. Petersburg; dort werden sie zusammengefasst und an die WMO weitergegeben und im Internet veröffentlicht. Die Zuverlässigkeit der Daten zu garantieren, bedeutet insbesondere im Winter, Störungen an den Geräten durch Schnee und Eis umgehend zu beseitigen.

Am frühen Nachmittag, das Wetter hatte sich stabilisiert, haben wir uns auf den Weg nach Ardley Island zur Pinguinzählung gemacht. Die Ebbe hatte für drei Stunden eine Landbrücke zur Insel freigelegt. Die Adeliepinguine sind bald "flügge", Zeit, den Bruterfolg zu bestimmen, d.h. die Zahl der Jungen zu erfassen. Diese verlieren gerade ihre Flaumfedern und sehen, bis auf die weiße Kehle, den adulten Tieren schon sehr ähnlich. Die jungen Zügel- und Eselspinguine sind noch relativ klein, so dass deren Erfassung erst nach dem 20.1. geplant ist.

Ardley ist im Gegensatz zu King George Island sehr grün, Moose, Flechten und Deschampsia-Matten überzogen die Hügel. Allerdings sind diese sehr empfindlich und regenerieren sich nur sehr langsam. An einigen Stellen waren noch Fahrspuren aus den 80er Jahren zu sehen. Heute gehört die Insel zu den besonders geschützten Gebieten der Antarktis (ASPA) und darf nur zu Fuß bzw. Zodiak und mit Genehmigung (die uns natürlich vorliegt) betreten werden. Für wissenschaftliche Zwecke und Notfälle gibt es Schutzhütten, unter anderem eine ehemalige DDR-Hütte, die heute den Chilenen gehört.

Wanderung in den Süden - Samstag, 12.01.2008 Inhalt einblenden

Heute wollen wir den südöstlichen Teil der Fildes-Halbinsel kennen lernen, ein landschaftlich sehr schönes Gebiet. Nach etwa 3km durchqueren wir die chinesische Station Great Wall, in der gerade mit kleinen Landungsbooten Baumaterialien für neue Stationsgebäude vom Schiff angeliefert werden. Wir liefen, vorbei an Half Tree Point, in Richtung Fildes Straße, die King George Island von Nelson Island trennt. Die Strömung zwischen den beiden Inseln spült neben zahlreichen Algen auch marine Tiere an, u.a. auch Tunikaten (Manteltiere). Auf der Nelson-Seite konnten wir die private tschechische "Econelson" Station sehen, in der eine einzelne Person unter sehr einfachen Bedingungen überwintert hatte, für uns kaum vorstellbar. In der Nachbarbucht auf Nelson sahen wir die brasilianische Schutzhütte, außerdem die Inseln Two Summit und Dart, auf denen Riesensturmvögel in größerer Zahl brüten.

Unterwegs kartierten wir neue Skua- und Dominikanermöwen-Nester bzw. Reviere. Die Zahl der Weddellrobben und der Seelefanten-Liegegruppen ist in der Maxwell-Bay und in der Fildesstraße relativ klein, dagegen am Exotic Point, den wir Nachmittags erreichten, umso größer. Der äußerste Zipfel der Halbinsel, wo wir im Felsen brütende Kapsturmvögel zählten, ist einer der landschaftlich schönsten, da die Felsen mit farbigen Krustenflechten (u.a. Caloplaca) bewachsen sind, außerdem man einen guten Ausblick auf die Fildes Straße und die Insel Nelson hat. Unweit dieser Stelle befindet sich auch der einzige Brutplatz von Scheidenschnäbeln auf Fildes. Diese weißen Vögel schmarotzen im Sommer in Vogelkolonien, während sie im Winter in den Station auf Nahrung suchen. Auf den Rückweg überquerten wir das südliche Hochland. Trotz bedecktem Wetter konnten wir am Horizont nicht nur Nelson, sondern auch die übernächste Insel Robert sehen und Greenwich Island erahnen.

Seelefanten-Liegegruppen © AG Polar- und Ornitho-Ökologie
Flat Top und die Ankunft weiterer Expeditionsteilnehmer - Sonntag, 13.01.2008 Inhalt einblenden
Ankunft der russischen Expeditionsmitglieder © Polar- und Ornitho-Ökologie

Heute ist Sonntag, Spiegeleier zum Frühstück und Sauna am Nachmittag oder Abend sind obligatorisch. Das Wetter war sehr freundlich gestimmt und so machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg.

In Begleitung unseres Geologen Udo wird die Kartierung von Fossilien im ASPA Fildes fortgesetzt, die von Jenenser Wissenschaftlern in den Vorjahren begonnen worden war. Fossil Hill, ein Berg zwischen der russischen und der chinesischen Station, der wie der Name schon sagt, ist als Fundstelle für Fossilien bekannt. Glücklich waren wir, als wir nach kurzer Zeit wir ein vollständig erhaltenes Farnblatt fanden. Es folgten noch mehrere teilweise erhaltene Blattfossilien - alles in allem eine gute Ausbeute für den beschwerlichen Weg zum Fossil Hill.

Die Hauptgruppe war unterwegs Richtung Flat Top, einem markanten Berg auf einer vorgelagerten Landzunge im Südwesten der Fildes-Halbinsel, um die dort brütenden Antarktis-Seeschwalbenund Möwen zu kartieren. Am Strand hatten wir unsere erste hautnahe Begegnung mit einem Seeleoparden. Der reptilienartige Kopf ist aus der Nähe betrachtet doch sehr eindrucksvoll.

Am Nachmittag wurde es zunehmend unruhig in der Station, denn die Vistamar hatte sich für eine Anlandung in unserer Station angesagt. Neben ca. 200 Touristen waren auf diesem Schiff auch die noch fehlenden vier Expeditionsmitglieder (Katja, Lika und Shenja aus Russland sowie Laura aus Argentinien). Sie wurden am Strand vom russischen Stationsleiter Alexey Shmarin (in der Mitte des Bildes) und allen Bewohnern der Station Bellingshausen herzlich begrüßt. Nachdem die Touristen in mehreren Gruppen über das Gelände der chilenischen und russischen Station geführt worden waren und langsam wieder Ruhe eingekehrt war, konnten wir uns am Abend in gemütlicher Runde mit den Neuankömmlingen bekannt machen.

Erkundungstour und Laborbesuch - Montag, 14.01.2008 Inhalt einblenden
Meeresbiologisches Labor © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Nach dem Frühstück führten wir, ausgehend von unserem "Berghotel", die neuen Mitglieder unserer Expeditionsgruppe durch die Station und danach auf eine Erkundungstour in das See-Elefanten-Tal, um Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt vorzustellen. Neben Pinguinen und Robben konnten wir auch Blauaugen-Komorane beobachten.

Am späten Nachmittag hatte uns Wassily in sein Labor eingeladen. Wassily ist ein junger russischer Meeresbiologe, der bereits seit einem Jahr in Bellingshausen arbeitet. Er untersucht das Zooplankton sowohl in der Maxwellbucht als auch im nahe gelegenen Süßwassersee Kitesh, aus dem die Station auch ihr Trinkwasser bezieht. Er erläuterte uns sehr anschaulich und interessant nicht nur seine Arbeiten, sondern auch die Funktionsweise seiner z. T. selbstgebauten Instrumente zum Sammeln von Wasser-Proben sowie zur Bestimmung von Temperatur, Salinität und Sauerstoffgehalt des Wassers. Unter dem Mikroskop konnten wir verschiedene Krebstiere betrachten, u.a. den Süßwasserkrebs Branchinecta gaini.

Ein schöner Sonnenuntergang schloss diesen erfolgreichen Tag ab.

Schneefall und Robbenzählung - Dienstag, 15.01.2008 Inhalt einblenden
Seeleopard auf dem Eis © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

In der Nacht war Schnee gefallen, so dass die Station Bellingshausen wie überpudert aussah. Heute begann die Zählung der fünf hier vorkommenden Robbenarten (Seeelefant, Seebär, Seeleopard, Weddellrobbe und Krabbenfresser). Zuerst wurde die gesamte nördliche Drake-Küste bearbeitet . Der erste Teil der Gruppe begann mit der Zählung am Rande des Collins-Gletschers im äußersten Norden der Fildes-Halbinsel. Der zweite Teil der Gruppe machte sich aus Richtung Süden kommend auf den Weg nach Norden. In den Buchten zählten wir nicht nur die Individuenanzahl, sondern auch den Anteil der Geschlechter und der Jungtiere. Die See-Elefanten liegen in großen Gruppen zum Fellwechsel an Land, Wurf- und Paarungszeit waren schon im Oktober/November, so dass große Haremsbullen nahezu vollständig fehlen. Weddellrobben ruhen sich auf den Schneefeldern oder am Strand aus, ihre Fortpflanzungszeit war im September. Inzwischen nimmt die Zahl der Seebären zu, fast ausnahmsweise Männchen, die vermutlich von der nördlich gelegenen Kolonie Stigant Point abwandern. Die zwei jungen Seebären, die wir vor einer Woche gefunden hatten, hielten sich noch unweit der russischen Schutzhütte Priroda auf.

Inzwischen begann es wieder zu schneien. Wir suchten eine windgeschützte Stelle für unsere Mittagspause. Bei Flut war es nicht immer möglich, direkt an der Küstenlinie zu laufen, so dass wir gezwungen waren, durch einen Sprung in den Schnee einen Abhang zu überwinden.

Am Strand fanden wir einen schon längere Zeit toten immaturen Kaiserpinguin sowie Seegurken, eng mit Seesternen und Seeigeln verwandt.
Nachdem sich die beiden Gruppen getroffen hatten, traten wir gemeinsam den Rückmarsch nach Bellingshausen an.

Robben und Fossilien - Mittwoch, 16.01.2008 Inhalt einblenden
Antarktischer Seebär (Männchen) © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

In zwei Gruppen wurde heute nach dem Frühstück im Gebiet gearbeitet. Die eine zählte in der Maxwellbay von Artigas bis Great Wall in den Buchten die Robben, um unsere Erfassung vom Vortag fortzusetzen. Im Gegensatz zum gestrigen Tag, d.h. der Zählung an der Drake-Küste, konnten wir nur zwei Weddellrobben und ein Seebären-Männchen kartieren. Unterwegs wurde in der Nähe eines Nistplatzes von Dominikanermöwen ein großer Bestand der Antarktischen Schmiele (Deschampsia antarctica) entdeckt. Deren Kartierung steht noch aus; leider ist trotz Sonnenschein der Schnee noch immer nicht geschmolzen.

Eine zweite Gruppe machte sich zum südlichen Hochland auf, um dort die Fossiliensuche fortzusetzen. Da jedoch in den letzten Tagen viel Schnee gefallen war, waren große Flächen verschneit, sodass nur wenige Stellen dieses als fossilienreiche Region bekannten Gebietes zugänglich waren. Es wurden nur wenige Stücke gefunden, die für weitere Untersuchungen geeignet sind, u.a. ein kleines Farnblatt.

Am Nachmittag war dann wieder Sport angesagt. Mehrere Kommilitonen nutzen aber das günstige Wetter, um unsere Fotodokumentation der Expedition zu vervollständigen und Verhaltensbeobachtungen an Zügelpinguinen durchzufhren.

Am Abend verabschiedeten wir Wissenschaftler aus Bonn und Münster, die mit einer Hercules nach Punta Arenas abflogen.

„Sommerwetter“ und Südtour - Donnerstag, 17.01.2008 Inhalt einblenden

Das Wetter meinte es heute sehr gut mit uns. Wir nutzen den seltenen Sonnenschein für das obligatorische Gruppenfoto vor dem Hauptgebäude der Station Bellingshausen.

Die Sonne schien den ganzen Tag, die Temperatur überschritt aber kaum den Nullpunkt.
Wir brachen in den südlichen Teil der Insel auf, um dort entlang der Küste die Robben zu zählen und zu kartieren. Los ging es am Flat Top. Von dort aus suchten wir die Buchten bis zum Exotic Point ab, wo wir außerdem noch eine große Brutkolonie von Kapsturmvögeln kartierten. Auffällig ist die üppiger Bewuchs der Felsen mit Strauch- und Krustenflechten. Weiter ging es über das Hochland zur Fildes Strait, um dort wieder an den Strand abzusteigen.

Eine zweite Gruppe suchte mit Matthias neue Skuanester bzw. kontrollierte vorhandene. In der Nähe der chinesischen Station fanden wir schließlich einige neue Nester mit frisch gelegten Eiern. Dieser Erfolg hat jedoch mit einem bitteren Beigeschmack, da klar ist, dass die Vögel es wohl nicht mehr bis zum Winter schaffen werden, ihre Jungen aufzuziehen. In normalen Jahren sind bereits Ende Dezember Küken geschlüpft. Die außergewöhnlichen Schneemassen, die erst jetzt langsam zu tauen beginnen, zwingen die Skuas zu einer so späten Eiablage. Ein großer Teil der Skuas brütet sogar überhaupt nicht.

Ein großer Erfolg war auch das Fangen von fünf Skuas, die mit Ringen der Vogelwarte Hiddensee individuell markiert wurden. Außerdem wurden diese Skuas am anderen Bein mit GLS-Loggern versehen, die die Zugrouten der Vögel aufzeichnen werden. Diese Logger registrieren den Sonnenauf- und Untergang anhand der aktuellen Lichtintensität, aufgrund derer dann der Längen- und Breitengrad errechnet werden kann. Während wir erwarten, dass die Südpolarskuas bis zur Nordhalbkugel fliegen, werden die Braunen Skuas wohl auf der Südhalbkugel bleiben.

Internationale Studentengruppe © AG Polar- und Ornitho-Ökologie
Pflanzenkartierung auf Fildes Peninsula - Freitag,18.01.2008 Inhalt einblenden
Landung einer chilenischen Hercules © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

An diesem Tag erwarteten wir eine Hercules C130 der chilenischen Luftwaffe mit zwei Journalisten. Sie werden uns in den nächsten Tagen begleiten und unsere Arbeit auf King George Island im Rahmen des IPY sowie das Leben in der Station Bellingshausen fr den MDR dokumentieren. Wir begrüßten sie herzlich. Unsere anfängliche Scheu vor der Kamera verging schnell, da Dirk und Jörg sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Sie begleiteten uns bereits bei der Tour an diesem Tag und drehten die ersten Szenen.

Heute war der Tag, an dem wir die Kartierung der Antarktische Schmiele Deschampsia begannen. Als weitere Gefäßpflanze gibt es nur noch die Antarktische Perlwurz Colobanthus quitensis.

Wir machten uns also auf den Weg Richtung Artigas, begleitet vom Kamerateam. In der Nähe von Neftebase trafen wir den zweiten Teil unserer Gruppe, die zuvor aufgebrochen waren, um dort nach Fossilien zu suchen. Diesmal waren ihre Bemühungen von großem Erfolg gekrönt. Zahlreiche Steine mit eingeschlossenen Pflanzenfasern oder ganzen Blättern wurden gefunden.

In der Nähe einer kleinen Brutkolonie von Dominikanermöwen waren wir vor einigen Tagen eine große Fläche mit Antarktischem Gras gestoßen. Dieses Gras wächst vereinzelt, in kleinen Polstern oder in großen Patches. Um die Größe eines solchen Patches abzuschätzen, legen wir gedanklich ein Quadrat über die Fläche und messen die Länge und Breite. Bei kleinen Grasflächen benutzen wir als Hilfe unsere Körpermaße, z.B. die Länge zwischen dem ausgestreckten Daumen und dem kleinen Finger, was etwa 20 cm entspricht. Bei sehr großen Arealen benutzen wir unsere Schrittlänge als Hilfsmittel zur Messung. Außerdem maßen wir die Deschampsia-Areale mit GPS ein, um später Karten erstellen zu können, mit denen die Ausbreitung dieses Grases dargestellt werden soll. Die diesjährigen Daten werden dann mit Daten aus den Vorjahren verglichen, um zu beurteilen, wie sich die Klimaerwärmung auf die Ausbreitung von Deschampsia auswirkt. Schon in den letzten Jahren konnte ein vermehrtes Auftreten festgestellt werden, u.a. auch an den vom Gletscherrückzug betroffenen Flächen.

Am Abend bereitet Wolodja, unser Koch, wie immer, ein schmackhaftes warmes Essen. Obwohl er 7 Tage in der Woche dreimal täglich für uns kocht, ist er immer zum Scherzen aufgelegt.

Arbeiten auf dem Gletscher - Samstag, 19.01.2008 Inhalt einblenden
Russische Kirche © Polar- und Ornitho-Ökologie

An diesen Morgen versammelten sich alle in der orthodoxen Kirche, da die Taufe Christi gefeiert wurde. Im Rahmen dieses traditionellen Feiertages hielten die beiden für ein Jahr in Bellingshausen lebenden Priestern eine Messe ab und weihten danach die Stationsgebäude und das Inventar.

Anschließend machten wir uns zusammen mit Bulat, dem russischen Glaziologen aus Moskau auf den Weg zum Collins Gletscher. Auf dem Weg konnten wir wieder typische Frostmuster finden. Diese entstehen durch Sortierung des Fein- und Grobmaterials in ringförmiger Anordnung.

Bulat, der Glaziologe, erklärte uns Messtechniken zur Bestimmung der und Dichte der Schneeschicht, die auf dem Gletschereis aufliegt. Die Erfassung der akkumulierten Schneemengeist wichtiger Bestandteil der Massenbilanz des Gletschers. Diese gibt an, ob die Akkumulation und die Ablation von Eismassen des Gletschers im Gleichgewicht sind. Tendenziell ist in den letzten Jahren ein leichter Rückgang des Collins Gletschers auf King George Island zu verzeichnen. 

Ein weiteres Phänomen der Antarktis erlebten wir heute- das so genannte white out. Anfangs war die Sicht noch normal, dann zog auf dem Gletscher ein so dichter Nebel auf, dass keine Unterscheidung von Schnee und Himmel mehr möglich war. Zur Orientierung im endlosen Weiß waren wir komplett von unserem GPS-Gerät abhängig. Wir hielten uns an die vorgegebenen ausgemessenen Routen, da immer die Gefahr von Gletscherspalten besteht.

Am Vortag waren mit dem Flugzeug sechs Wissenschaftler angekommen, die vorhatten, zum 15 km entfernten Dallmann-Labor (einem deutsch-argentinisch-holländischem Annex zur argentinischen Station Jubany) mit Zodiaks weiterzufahren. Es sollte aber anders kommen.

Das Wetter, insbesondere die Windsituation, verschlechterte sich zunehmend, so dass es nicht möglich war, Zodiaks zu schicken. Aufgrund der Gastfreundschaft der russischen Station fanden die "gestrandeten" Kollegen aber schnell eine Bleibe. Am Abend stellten sie sich und ihre Arbeit kurz vor. Zwei der drei holländischen Kollegen bearbeiten die Auswirkungen des Tourismus in der Antarktis. Zwei deutsche Wissenschaftler, Max und Claudia, arbeiten für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, das uns auch die Polarkleidung zur Verfügung gestellt hat. Beide sind Forschungstaucher, Max übernimmt die wissenschaftliche Leitung des Dallmann-Labors. Anita aus Rostock vervollständigt die Runde der Meeresbiologen.

Aufgrund der ungünstigen Wetterprognosen für die nächsten Tage gibt es schon Wetten, wie lange ihr Aufenthalt dauern wird…

Regenwetter und Küchendienst - Sonntag, 20.01.2008 Inhalt einblenden

Zuerst ein Nachtrag zum Vorabend: 23 Uhr Ortzeit, d.h. 0.00 argentinischer Zeit, gratulierten wir Laura, unserer argentinischem Expeditionsmitglied, zum Geburtstag. Der Koch fertigte eine spezielle Torte an.

Auf Grund des extrem schlechten Wetters mit starkem Wind und Regen verbrachten wir den Vormittag mit der Auswertung unserer bisher gewonnenen Daten. Die mittels der GPS- Geräte aufgenommen Punkte wurden in Tabellen übertragen, um diese mit unseren aufgezeichneten Attributdaten zu ergänzen. Zur visuellen Darstellung arbeiteten wir mit ArcGIS, um Vergleichsmaterial zu den in den vergangenen Jahren erstellten Karten zu erhalten. Als Grundlage dient der Gesamtbericht über King George Island, der 2007 von der Arbeitsgruppe Ornitho-Ökologie des Institutes für Ökologie der Universität Jena erstellt wurde.

In den Stationen ist es üblich, dass alle Bewohner sich bei den täglichen Arbeiten mit beteiligen. Zum Küchendienst, d.h der Tätigkeit als "Dezhurnyj" zählen u.a. das mehrmalige Saubermachen der Gemeinschaftsräume, Abwaschen und Vorbereiten der Mahlzeiten. Neben wissenschaftlichen Arbeiten haben wir somit auch Gelegenheit bzw. die Möglichkeit, uns wirklich in das Alltagsleben der Station zu integrieren, denn jeder von uns wird für einen Tag einbezogen.

Sonntag steht in Bellingshausen traditionell die Sauna im Mittelpunkt des Stationslebens. Jedem Bewohner ist eine bestimmte Zeit in der im Russischen so genannten Banja zugeteilt. Abschließend kann man sich im meist eisigen Außenbecken erfrischen. Nach dem Saunagang wünscht man sich gegenseitig "S ljogkim parom", was sinngemäß Erfrischung von Körper und Geist zum Ausdruck bringt.
Das schlechte Wetter hatte aber auch etwas Gutes, der Schnee schmilzt endlich, wenn auch langsam, weg. Den Abend nutzen wir, um einen Film über die deutschen Aktivitäten in Bellingshausen und auf Fildes Peninsula aus den Jahren 1983 bis 1985 anzusehen.

Feldarbeit und Besuch der Grossen Chinesischen Mauer - Montag, 21.01.2008 Inhalt einblenden
Chinesisches Dinner © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Am Vormittag setzten wir in den in den Vorjahren untersuchten Gebiete die Kartierung von Deschampsia antarctica, eine von zwei höheren Gefäßpflanzen der Antarktis, fort. Alle Areale wurden im Abstand von ca. 10 bis 20 m abgegangen.

Nachmittags konnten wir die Möglichkeit nutzen, einen Einblick in die Untersuchungen des russischen Ozeanographen Alexander zu erhalten. Im Abstand von 10 Tagen misst er vom Schiff aus Temperatur, Salinität und Dichte des Seewassers. Die Datenerhebung erfolgt mit Hilfe einer Sonde, die automatisch in verschiedenen Tiefen Messungen macht. Die Auswertung der Daten erfolgt im hydrologischen Institut in Sankt Petersburg, wo Forschungen zu Meeresströmungen und Eisverteilung betrieben werden.

Den Abend verbrachten wir in der Station Great Wall unserer chinesischen Nachbarn. In der im Jahr 1984 errichteten und im Februar 1985 eingeweihten Station wohnen im Moment 46 Chinesen. Das Schiff Xue Long hatte eine umfangreiche Fracht gebracht, die innerhalb weniger Tage entladen worden war. Inzwischen werden 4 neue Stationsgebäude errichtet, wie uns der Stationsleiter Sun, in Shanghai Cheflogistiker im Antarktisinstitut, stolz berichtete. Der Ausbau der Great Wall Station soll auch in den nächsten Jahren weitergehen. Sie wird damit, wenn die alten Stationsgebäude abgebaut sind, wohl die modernste Station auf King George sein.

Nach dem für uns sehr abwechslungsreichen chinesischem Essen hatten wir noch die Gelegenheit, die Station Great Wall zu besichtigen und asiatische Traditionen besser kennen zu lernen.

Pinguinzählung auf Ardley - Dienstag, 22.01.2008 Inhalt einblenden
Eselspinguin mit Jungvogel © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Heute war es längere Zeit möglich, über die Landbrücke die Insel Ardley zu erreichen. Diesen Zustand nutzten wir aus und gingen direkt nach dem Frühstück in Richtung Great Wall los. Die Landbrücke stellte sich bei der Überquerung nur als schmaler Landstreifen dar, so dass es vom Strand aus wirkte, als wenn wir über Wasser laufen würden.

Unsere Aufgabe war es, den Bruterfolg der Eselpinguine zu ermitteln. Dieser ergibt sich durch die Division der Zahl der nahezu flüggen Jungtiere durch die im Dezember bereits ermittelte Brutpaarzahl, letztere vom Jenenser Doktoranden Mattthias gezählt. Da es sich um eine große Brutkolonie handelt, teilten wir uns in fünf Gruppen auf, die die verschiedenen Bereiche der Kolonien zählten. Die Jungtiere sind zu dieser Zeit schon nahezu so groß wie ihre Eltern, unterscheiden sich jedoch noch im Vorhandensein der Flaumfedern. In vielen Bereichen stellten wir hohe Konzentrationen von Jungtieren fest, da sich die Jungtiere bereits in der so genannten Kindergartenphase befanden.

Allein auf dem Leuchtturmplateau waren es fast 950 Jungtiere, die aus 700 Nestern stammten. Neben den Eselpinguinen brüten auch Adeliepinguine und nur wenige Zügelpinguin-Brutpaare auf Ardley. Die Jungtiere der Adeliepinguine verlieren bereits ihren Flaum und gleichen, bis auf die weiße Kehle, den Adulten. Viele von ihnen besitzen allerdings noch einzelne Flaumbüschel am Körper, sodass sie sehr komisch aussehen. Während der Zählung wurden verschiedene Szenen für einen Dokumentarfilm, der am 20. Februar auf dem MDR läuft, aufgezeichnet. Zurück in der Station, machten wir uns direkt an die Auswertung der Zählungen, erstellten eine Zusammenfassung und ermittelten den Bruterfolg.

Skuas, Baden im Meer und Sauna - Mittwoch, 23.01.2008 Inhalt einblenden
Braune Skua mit GLS-Logger © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Im Rahmen eines von der DFG geförderten Projekts untersucht Matthias die räumliche Ausdehnung der Futtersuchflüge von Raubmöwen. Im Gebiet von King-George Island gibt es zwei Skua-Arten - die Braune und die Südpolarskua. Während Braune Skuas ihre Nahrung hauptsächlich in Pinguinkolonien suchen, fliegen Südpolarskuas hinaus auf das offene Meer, um dort ihre Hauptnahrung Fisch zu fangen. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit werden die Futtersuchflüge der Südpolarskua sein. Eingebettet ist diese Forschung in das IPY-Projekt Clicopen" das das durch Klimaerwärmung beeinflusste küstennahe marine Ökosystem untersucht. Um die Vögel auf ihren Flügen verfolgen zu können, werden GPS-Logger auf dem Rücken der Tiere befestigt.

Bisher war es aus technischen Gründen nicht oder nur sehr ungenau möglich zu erforschen, welche Strecken die Skuas bei der Nahrungssuche zurücklegen - mit dieser neuen miniaturisierten GPS-Technik ist es jetzt möglich.
Die bisher gesammelten Daten ermöglichen genaue Aussagen über die Aufenthaltsorte der Vögel, die sich unserer direkten Beobachtungn entziehen. So konnte gezeigt werden, dass Braune Skuas, die fernab von Pinguinkolonien brüten, einige km entfernte Pinguinkolonien oder Stationen zur Nahrungssuche aufsuchen. Südpolarskuas fliegen hinaus aufs offene Meer - die genaue Auswertung der Daten wird Matthias in Kürze beginnen.

Ein weiteres Ziel des heutigen Tages war außerdem die Beendung der Pflanzenkartierung. Dafür starteten wir in kleinen Gruppen von der Station aus, um in ausgewählten Flächen Deschampsia antarctica mittels GPS-Geräten einzumessen. Jedoch war das Wetter relativ schlecht, die Sicht lag in manchen Bereichen bei 10m, so dass eine optische Orientierung oft unmöglich war. Da wir bereits bei früheren Exkursion Orientierungspunkte aufgenommen hatten, war es uns möglich, mit dem GPS-Geräten verschiedenen Orientierungspunkte anzupeilen und die fehlenden Bereiche für die Deschampsia Kartierung zu erreichen.

Nach einem solch kalten Tag mit Regen bzw. Nebel und Temperaturen um 1 Grad waren wir froh, dass die Sauna aufgeheizt war. Zuvor nutzten noch einige Expeditionsteilnehmer die gerade erscheinende Sonne für ein kurzes Bad in der Maxwell Bay (Wassertemperatur etwa 0 Grad), verließen aber dann fluchtartig die Küste in Richtung Sauna. Heute kamen wir erstmalig mit einem "Venik" in Kontakt; nach einem Aufguss wird mit Birkenzweigen der Dampf aufgewirbelt und im Anschluss werden leichte Schläge auf den Rücken gegeben. Diese Tradition erinnert an einen Schamanischen Brauch, dient aber vor allem der Förderung der Durchblutung. Man fühlt sich im Anschluss wie neugeboren.

Inseln-Hüpfen und Uruguay - Donnerstag, 24.01.2008 Inhalt einblenden
Südlicher Riesensturmvogel © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Der Tag begann sonnig und unsere deutschen und holländischen Kollegen, die nach Jubany wollten, wurden von den Matrosen der Castillo, einem argentinischen Marineschiff abgeholt. Die ruhige See ermöglichte es uns, das Landungsboot "Amderma" zu nutzen und die Inseln zwischen Ardley und Fildesstrasse zu erreichen. Erstes Ziel war es, die Brutvögel auf Two Summit, Dart Island und der Geographeninsel zu kartieren. Dazu landeten wir mit Zodiacs, gefahren vom Antarktis-erfahrenen Sasha, auf den einzelnen Inseln an, wobei nur ein Teil der Gruppe an Land ging, um die Störungen der brüteten Vögel zu minimieren. Hauptaufgabe war es, die oberhalb der Felsklippen brütenden Riesensturmvögel zu zählen. Riesensturmvögel brüten auf Felsen, die zeitig schneefrei sind, da sie mit der Brut schon Ende Oktober/Anfang November beginnen. Andererseits können sie den Aufwind zum Starten nutzen. Erschreckend ist der diesjährige Bruterfolg: nur in 16 der ursprünglich fast 250 besetzten Nester fanden wir Jungvögel, vielleicht auch eine Folge des kalten Winters?

Auf unseren Touren zu den Inseln begleiteten uns Pinguine und Weddellrobben, die immer wieder neben dem Boot auftauchten. Auf den Inseln konnten wir auch noch Blauaugenscharben, Kapsturmvögel und Sturmschwalben beobachten. Gegen Nachmittag änderte sich das Wetter schlagartig und eine dichte Nebelwand zog auf, so dass wir die Bootstour leider abbrechen mussten und unser zweites Tagesziel Nebles Point nicht erreichten.

Am Abend stand noch ein Besuch der uruguayischen Forschungsstation Artigas an, 4 km von Bellingshausen entfernt. Der Stationsleiter Pipo begrüßte uns sehr freundlich, überreichte kleine Gastgeschenke und lud uns zum Essen ein. Im Laufe des Abends erlebten wir die temperamentvollen südamerikanischen Bewohner beim Trommeln.

Mit dem Raupenfahrzeug wurden wir dann wieder nach Bellingshausen gebracht, eine sehr abenteuerliche Fahrt durch die mittlerweile schon hereinbrechende Nacht.

Regen und Meerestiere - Freitag, 25.01.2008 Inhalt einblenden
Krill (Euphansia superba) © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Temperaturen knapp über Null, Nebel und Regen: wir entschließen uns, das Felswatt in der Stationsbucht bei Niedrigwasser nach Wirbellosen abzusuchen. Die Gezeitentümpeln sind normalerweise ein sicherer Ort, um marine Gliederfüßer und Weichtiere zu finden. Zu den Krebstieren gehören  der Krill und die häufigen Flohkrebse, die auch auf der Speiseliste der Antarktisseeschwalben stehen. Schon seltener findet man Meeresasseln. An die Tide angepasst sind die Napfschnecken, die eine kapuzenförmige Schale besitzen und sich mit einem kräftigen Muskel an Steinen anheften. Auf diese Weise überstehen sie die Ebbe, da die kalkhaltige Schale sie vor Austrocknung schützt. Diese Tiere sind außerdem die Hauptnahrung von Dominikanermöwen. In der näheren Umgebung von Möwennestern kann man daher große Ansammlungen von leeren Napfschneckenschalen finden.

Andere Schnecken und Muscheln sind relativ selten und dann dünnschalig, da es an Kalk mangelt.

Sich an Steine anzuheften, um der Wasserströmung zu entgehen, ist ein weit verbreitetes Prinzip mariner Invertebraten. So konnten wir an den Unterseiten größere Steine auch Egel finden.

Ganz besonders interessant waren die Vertreter der Stachelhäuter. Wir fanden Seesterne und eine Seegurke. Während man beim Seestern die fünfstrahlige Körpereinteilung, die für alle Stachelhäuter typisch ist, noch gut erkennen kann, ist diese bei vielen Seegurken von außen nicht mehr zu sehen.

Nach dieser sehr nassen Sammelaktion, es regnete, setzten wir uns in den Aufenthaltsraum der Station, um uns die Tiere genauer anzusehen. Katja, unsere russische Meeresbiologin, konnte uns viel über die Großgruppen berichten.

Später schauten wir uns Fotos an, die von Tauchern hier vor Ort gemacht worden sind. Zu sehen waren wunderschöne Aufnahmen von farben- und formfrohen Korallen, Seelilien, Schlangensternen, Asseln und anderen Gruppen. Trotz der sehr niedrigen Wassertemperatur sind auch polare Gewässer relativ artenreich und vielfältig.

Nebles Point: Deschampsia en masse - Samstag, 26.01.2008 Inhalt einblenden
Blauaugenscharke © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Am Morgen stand ein Kurzbesuch in der chilenischen Forschungsstation Escudero des INACH an. Der Stationsleiter Patricio und anwesende Wissenschaftler berichteten über die aktuellen Forschungsarbeiten. Dazu gehören u.a. auch Probennahmen durch Taucher in den küstennahen Gebieten der Bucht, besonders interessant für Katya, unsere Meeresbiologin.

Ein Teil der Gruppe schloss sich danach Wassili an, der in der Bucht vom Zodiak aus Planktonproben nahm bzw. abiotische Parameter registrierte. Parallel dazu wurden auch Proben am Kitesh, dem größten Süßwassersee der Halbinsel, genommen und anschließend im Labor untersucht. 

Im Nordosten der Fildes-Halbinsel befindet sich Nebles Point, eine eisfreie Landzunge, die auf der Landseite vom Gletscher umgeben ist. Das war das Ziel der Hauptgruppe. Noch vor zwanzig Jahren konnte man nicht zu Fuß dorthin gelangen, sondern musste mit dem Zodiac übers Wasser fahren. Durch den Rückgang des Gletschers in den letzten Jahren ist allerdings ein Weg an der Küste frei geworden. Global Warming hat hier deutliche Auswirkungen hinterlassen.

Die Felsen sind großflächig mit der Antarktischen Schmiele bewachsen. Wir konnten regelrechte Deschampsia-"Rasen" finden und kartieren, damit auch unsere geplanten Arbeiten abschließen.

Auf dem Rückweg beobachteten wir zwei Blauaugenscharben aus nächster Nähe, noch nicht geschlechtsreife Tiere, die noch eine bräunliche Oberseite und Sprenkeln am Hals aufwiesen, wie es für unausgefärbte Vögel typisch ist.

Auf dem Rückweg kamen wir an der uruguayischen Station Artigas vorbei, wo wir zum Mate-Trinken eingeladen wurden. Wir wurden sehr freundlich empfangen und trafen zufällig wieder auf die Chilenen, die wir erst vormittags in Escudero besucht hatten.

Der vorletzte Tag in Bellingshausen - Sonntag, 27.01.2008 Inhalt einblenden

Heute war Packen angesagt. Morgen fahren wir mit der MS Delphin zurück nach Punta Arenas. Das bedeutete auch, dass wir unsere Behausung für die letzten Wochen, liebevoll "Berghotel" genannt, komplett aufräumten und reinigten. Eine große Aufgabe, hatten doch dreizehn Leute dort gewohnt.

Am Nachmittag entspannte sich der Großteil unserer Gruppe in der Sauna, bevor es zur großen Abschiedsfeier ging. Das war das Highlight des Tages: schon viele Stunden vorher war der Koch Wolodja mit den Vorbereitungen beschäftigt und bekam am späten Nachmittag Unterstützung von den erholten Saunagängern.

Es gab mehrere Gründe für die Feier: Zum einen war es die Geburtstagsfeier für alle Stationsmitglieder, die im Januar Geburtstag hatten, zwei Mechaniker, der Arzt, sowie Laura und Matthias Kopp, Doktorand aus Jena. Sergej hatte für Matthias und die anderen jeweils ein Geburtstagsposter angefertigt.

Fabian Gottlieb Thaddeus (Faddej Faddejewitsch) von Bellingshausen

Andererseits war es unser Abschied von der Antarktisstation Bellingshausen, Grund zum Danksagen. Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen in der Antarktis hat historische Wurzeln.Fabian Gottlieb Thaddeus (Faddej Faddejewitsch) von Bellingshausen ist selbst deutscher Abstammung, lebte im Baltikum, bis er in russischen Diensten mit Lazarev in den Jahren 1819 bis 1821 die Antarktis erkundete und unsere Insel King George (zwei Jahre nach den britischen Entdeckern) den Namen "Waterloo" gab.

Udo dankte im Namen aller Studenten Alexey Shmarin und seinem Team für die große Gastfreundschaft. Jedes Stationsmitglied bekam ein T-Shirt mit dem Expeditionsemblem überreicht.

Letzter Tag: Abschied von Bellingshausen - Montag, 28.01.2008 Inhalt einblenden
Abschied von Bellinghausen © AG Polar- und Ornitho-Ökologie

Am Morgen ist unser Schiff, die MS Delphin, angekommen. Wir konnten jedoch noch nicht gleich an Bord, denn am Vormittag wurden die Touristen durch die Stationen geführt. Da jede Touristengruppe anderthalb Stunden Zeit hatte, konnten sie sowohl die chilenische als auch die russische Station besichtigen. Sie wurden sogar vom chilenischen Militär eingeladen, sich kurz in deren Wohngebäuden umzusehen. Die Touristen waren sichtlich beeindruckt von soviel Gemütlichkeit am Ende der Welt.

Kaum waren die Touristen wieder auf ihrem Schiff, mussten wir uns endgültig von Bellingshausen und seinen Bewohnern verabschieden. Alle Stationsmitglieder waren an den Strand gekommen, um uns auf Wiedersehen zu sagen… Es war wirklich nicht leicht, da wir ganz Bellingshausen sehr in unsere Herzen geschlossen haben. Als wir mit den Zodiacs unterwegs zum Schiff waren, wurde sogar vom Stationschef Alexey und seinen Mitarbeitern mit Leuchtpistolen ein Salut zum Abschied geschossen.

Auf dem Schiff hatten wir nur kurz Zeit, um anzukommen und wurden sogleich zum Essen gebeten - der Luxus hatte uns wieder.

Noch am gleichen Tag setzten wir unsere Seevogelbeobachtungen von der Hinfahrt fort. Am frühen Abend konnten wir sogar einen Rußalbatros sehen, der dicht neben dem Schiff flog. Des Weiteren gab es große Mengen von Kapsturmvögeln, die das Heck des Schiffes umkreisten.

Rückkehr nach Europa - Dienstag, 05.02.2008 Inhalt einblenden

Mit dieser Eintragung endet unser Antarktis-Tagebuch.

Nach wenigen Tagen erreichte unser Schiff Punta Arenas in Chile. Am 4. Februar fliegt der Großteil unserer Gruppe in Richtung Heimat. Es heißt Abschied nehmen von den anderen Expeditionsteilnehmern, und das ist nicht einfach. In Santiago de Chile trennen sich unsere Wege: Laura hat bis Buenos Aires die kürzeste Strecke vor sich, dagegen Katya, Shenja und Lika die längste. Sie erreichen Moskau am 5.Februar erst am frühen Abend. Wir fliegen über Madrid nach Frankfurt. Die Heimat hat uns wieder!

Hinter uns liegt eine sehr erfolg- und erlebnisreiche Expedition. Wir danken den zahlreichen Sponsoren für ihre Unterstützung, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, in der Antarktis zu arbeiten !

Für einige ist es vielleicht nicht die letzte Tour in den eisigen Süden; der Antarktis-Virus nagt jedenfalls schon.

In der nächsten Zeit steht erst einmal die Auswertung des umfangreichen Materials an. Am Freitag, dem 14. März 2008 werden wir während der 23.Internationalen Polartagung in Münster über unsere Ergebnisse berichten.

Darüber hinaus ist geplant, im Frühjahrssemester einen öffentlichen Vortrag in unserer Fakultät zu halten, außerdem im Zeitraum vom 30. Juni bis 5. Juli 2008 in der Goethe-Galerie in Jena eine Fotoausstellung zu gestalten.

Wir hatten berichtet, dass Dirk und Jörg von Schmidtfilm uns bei der Arbeit mit Kamera und Mikrofon begleitet haben. Ein erster Film wird am Mittwoch, dem 20.2.2008 um 21.15 Uhr auf MDR Thüringen zu sehen sein.

Danksagung und Autoren Inhalt einblenden

Diese Internationale Studentenexpedition und die Skua-Forschung während der Antarktis-Saison 2007/98 wären nicht möglich gewesen ohne die finanzielle und logistische Unterstützung zahlreicher Institutionen, Einrichtungen, Firmen, Stiftungen und Privatpersonen. Stellvertretend möchten wir folgende nennen:

  • Deutscher Akademischer Austauschdienst
  • Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Institut für Ökologie der FSU Jena
  • Deutsche Gesellschaft für Polarforschung
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Gesellschaft der Freunde und Förderer der FSU Jena
  • Dr. Helmut Gundermann, Bad Nauheim
  • Russische Antarktisexpedition, St. Petersburg
  • Alexey Shmarin und Mitarbeiter, Russische Antarktis-Forschungsstation Bellingshausen
  • Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven
  • Jenatours Jena
  • Hansakreuzfahrten Bremen
  • Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Hamburg
  • plantours & Partner GmbH Bremen
  • Hurtigrouten GmbH Hamburg

Autoren des Antarktistagebuchs sind:

Anne Braunschweig, Maude Erasmy, Elena Höhne, Anica Huck, Susann Janowski, Matthias Kopp, Henrike Mühlichen, Udo Müller, Jennifer Schmidt, Elias Stich, Eric Thomas und als zusätzlicher Autor eines Teil der Fotos Hans-Ulrich Peter.

 

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